Gestern war ich bei meinem guten Freund Heinz. Es war ein trauriger Anlass. Seine Frau ist vor Kurzem gestorben, und bei ihm sieht es auch nicht sonderlich gut aus. Er hängt jetzt an einem Sauerstoffgerät, ein Wirbel ist gebrochen und er muss zusehen, wie die Welt um ihn herum stirbt. Wir reden über die Endlichkeit.

An der Elbe

Ich wusste nicht, dass er auch schon drei Herzinfarkte hatte. Und so haben wir uns übers Sterben unterhalten. Heinz wünscht sich sehr, seiner Frau folgen zu können. Jeden Abend betet er, dass er am Morgen nicht wieder aufwacht. Das ist wohl das, was uns unterscheidet. Ich bete jeden Abend, dass ich morgens noch aufwache. Zumindest so lange, bis ich meine Bücher rausgebracht habe.

Manchmal hängt der Himmel voller Wolken.

Das größte Problem ist bei Heinz aber das gleiche wie bei mir. Niemand will über den Tod sprechen. Keiner will hören, dass das ja jeden Tag passieren kann. Okay, meistens ist es Selbstschutz. Aber hey, das Leben geht weiter, auch ohne uns. Das einzige, was wir uns beide wünschen, ist, dass man uns nicht vergisst. Aber da haben wir beide gut vorgesorgt. Wir haben uns beide viel Mühe gegeben, unsere Spuren zu hinterlassen. Jeder auf seine Art. Aber in gewisser Weise nachhaltig. Heute erwartet man ja allgemein, dass wir nachhaltig leben. Das haben wir gemacht. Allerdings auf eine andere Art, als es für gewöhnlich gemeint ist.

Goldene Schatten, trüb und doch voller Glanz.

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